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Elektronisches Studieren

E-Learning

„E-Learning“ ist ein viel strapazierter Begriff. Mancher denkt dabei an mehr oder weniger pfiffig aufgemachte Programme, die zum Beispiel die Benutzung einer neuen Anwendung nahebringen sollen. Neue Techniken ermöglichen jedoch mehr als einfaches, aufgabenbezogenes Lernen. Das virtuelle Studium bietet heute vielen Menschen Gelegenheit an Kursen teilzunehmen, von denen sie im klassischen Bildungsbetrieb ausgeschlossen wären.


Fernunterricht ist eine seit langem erprobte Praxis. In Australien gibt es seit 1951 spezielle „Schulen aus dem Äther“, bei denen die über tausende Kilometer verstreuten Schüler per Funk oder Telefon am Unterricht teilnehmen. Ein Betreuungsteam kommt etwa einmal im Jahr zum Hausbesuch. In Deutschland gibt es seit 1974 die Fernuniversität in Hagen. Diese einzige staatliche Fernuniversität ist mit rund 80.000 Studierenden die größte Universität in Deutschland.

Für das Selbststudium spielen geeignete Medien eine große Rolle. Dabei hat die Bereitstellung elektronischer Dokumente über das Internet längst die Verteilung gedruckter Unterlagen verdrängt. Auch diese Form des mediengestützten Lernens scheint etabliert. Trotzdem gibt es derzeit einen Entwicklungsschub beim verteilten Studium. Mit schnellen – und vergleichsweise preiswerten – Techniken stellt der Zugang zu hochwertigen Bildungseinrichtungen kaum noch eine echte Barriere für höhere Bildung dar. Mit der „University of the People“ möchten die Vereinten Nationen und weitere Träger seit dem Jahr 2009 die weltweite Ausbildungssituation verbessern. Funknetze und preiswerte Rechner erlauben dann auch in solchen Ländern höhere Bildung, in denen die übrigen Infrastruktur- und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen echte Hindernisse darstellen.

  Doktor-Hut
Bemerkenswert ist das Engagement von internationalen Spitzenuniversitäten bei der „Online-Bildung“. So ermöglichen Internetplattformen wie Coursera oder Knewton die Teilnahme an Kursen von weltweit verteilten Universitäten, bis hin zu Eliteunis wie Stanford, Harvard und Yale in den USA oder der Eidgenössischen Technischen Hochschule von Lausanne in der Schweiz. Dabei werden nicht nur Videoaufzeichnungen und Kursunterlagen für das Selbststudium bereit gestellt. Es ist vielmehr auch möglich, während der Semester an den Kursen teilzunehmen und einen Nachweis über die Studienleistungen zu erhalten.

Über entsprechende Apps können solche Kurse auch mobil auf Tablets und Smartphones abgerufen werden. Allein über die virtuelle Universität von Apple, „iTunes U“, wurden Kursunterlagen der Stanford University und der Open University (Großbritannien) jeweils 50-millionenmal geladen. Diese Plattform bietet auch Kurse deutscher Hochschulen an, z. B. für die Kinderuni der Humboldt-Universität zu Berlin oder zum Thema App-Entwicklung von der RWTH Aachen.

Die neuen Plattformen für virtuelle Kurse stellen nicht nur für regulär Studierende ein modernes Lernangebot dar. Auch in der beruflichen und privaten Weiterbildung bieten sie neue Perspektiven. Sie verbreitern die Palette von Angeboten für Standardinhalte, die nicht auf fachbezogenen Fragestellungen von Unternehmen oder Verwaltungenen zugeschnitten sind.

Bezogen auf die Verwaltung bedeutet das, dass diese öffentlichen Kurse und Vorlesungen eher der Vermittlung von Grundlagen dienen. Die Umsetzung in Verwaltungsverfahren – mit und ohne IT-Unterstützung – bedarf weiterhin spezifischer Lernangebote.

Viele der hier angesprochenen Kurse können ohne Kosten bezogen und ggf.gegebenenfalls auch absolviert werden. Trotzdem bekommt man nichts geschenkt: In den Voraussetzungen für die erfolgreiche Teilnahme an hochklassigen Veranstaltungen werden oft die erwarteten Zeitaufwände für das ergänzende Selbststudium angegeben – bis zu zwölf Wochenstunden.
 

 

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